Abefahre! - Stressfrei in 5 tagen

Eine Handvoll Menschen - von der Krankenschwester über den Lehrer bis zum Verkaufsleiter - unterziehen sich in der freien Natur einem fünftägigen Anti-Stress-Seminar.  Um - wie es im Hochglanz-Prospekt heisst - "die eigenen inneren Ressourcen wieder zu entdecken", sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sogar bereit, diese Woche ganz ohne ihr Handy, dafür mit literweise Fastentee durchzustehen.

 

Sie lernen, richtig zu atmen, zu meditieren, Bäume zu umarmen... Und sie üben, negative Glaubenssätze ins Positive zu verwandeln, etwa den Satz "i ga ga schaffe, drum bini wärtvoll" in den Satz "i ga ga schaffe, wüll i wärtvoll bi" umzumünzen. Sie kriegen zu hören, dass einer der grössten Stressfaktoren im Leben eines jeden sei, dass er sich ständig verstelle, vorgebe, ein Anderer zu sein als der, der er eigentlich wäre. Nur: Da fühlt sich eigentlich keine und keiner angesprochen.

 

Doch nicht alle sind sie freiwillig in diesem Seminar. Helen Künzi etwa, die HR-Spezialistin, ist von ihrer Firma geschickt worden - als Vorbeugungsmassnahme gegen ein allfälliges Burnout. Bei René Greper war es gar die Ehefrau, die unter Androhung der Scheidung verlangt hat, "dass jitz öppis muess gah, du bisch ja uf em letschte Zagge".

 

Und so ist es denn auch dieser Greper, der sich gegen alles und jedes, was im Kurs gemacht werden soll, auflehnt und stänkert: "Aha, da wott me jitz also i füf Tag us gstresste Poulet souveräni Adler mache". Die Ankündigung vom bevorstehenden Lachyoga löst bei ihm höchste Alarmbereitschaft aus ("I cha doch nid uf Chnopfdruck lache!") und dass er mit den anderen Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmern im selben Tipi schlafen muss, gibt ihm definitiv den Rest.

 

Am Ende der Woche? Reibt man sich verwundert die Augen. Keiner ist mehr der, den er zu Beginn des Seminars zu sein vorgegeben hat. Auch nicht der Herr Greper. Und in einem Fall führt die Aufdeckung der wahren Identität eines Kursteilnehmers beinahe zu einem Nervenzusammenbruch von Coach Jan Sommer....

 

 

Langsam aber sicher beginnt man zu verstehen, dass es mit dem "Abefahre!" eben nur dann klappt, wenn man mal als erste Massnahme das Ausrufezeichen hinter dem Wort entfernt...