Sommer 2010: Ein Genie kommt auf den Gurten

Einstein

Hafen Antwerpen, Belgien, 7. Dezember 1932: Albert Einstein verlässt Europa

einstein_mailNach „Dällebach Kari“, welcher auf dem Gurten in den Jahren 2006 und 2007 fast 30'000 Menschen begeistert hat, schreibt Livia Anne Richard nun ein weiteres Stück über eine Persönlichkeit mit starkem Bernbezug . Albert Einstein hat in seinem Wunderjahr 1905 in Bern – im zarten Alter von 26 Jahren übrigens – unter anderem diejenige Arbeit geschrieben, die ihn später weltberühmt werden liess: die spezielle Relativitätstheorie.

Nun ist ein genialer Wissenschaftler alleine noch kein Theaterstück wert. Zumal das gewöhnliche Fussvolk – zu dem sich auch Autorin Richard zählt – wirklich nicht den Schimmer einer Ahnung hat, auf welchem geistigen Niveau sich Einstein bewegte. Vielmehr interessiert Richard, was hinter diesem genialen Denker für ein Mensch stand. Wer er privat war. Wer er war, wenn er sich nicht in futuristisch‐visionäre Höheflüge begeben konnte, sondern wenn er – wie Du und ich – das Leben im hier und jetzt lebte. Wenn seine Frau ihn brauchte. Wenn das Baby schrie. Wenn es um die täglichen Dinge wie Essen, Trinken, Schlafen und Hygiene ging.

Was der grosse Wissenschaftler in seinen Theorien auch Bahnbrechendes erdachte, die ganzen Zusammenhänge die er in der Weite des Universums erkannte: wenn es zum Umgang mit seinen Nächsten kommt, mit seinen beiden Ehefrauen, seinen Söhnen, seinen adoptierten Töchtern, mit Verwandten und Freunden, dann muss man sagen, dass auch im Falle Einsteins jede Medaille zwei Seiten hat. Einstein war in Gefühlsdingen rasch überfordert und konnte seine Naturgesetze nicht auf die zwischenmenschliche Ebene hinunterbrechen.

Diese Diskrepanz und die Tatsache, dass Einstein in Hitler‐Deutschland trotz seines Weltruhms als Jude gesucht und letztlich vertrieben wurde, dass Einstein, als überzeugter Pazifist, mit seiner Formel E=mc2 die Atombombe erst in greifbare Nähe brachte, all dies macht Einstein zu einer der schillerndsten und spannendsten Figuren des letzten Jahrhunderts.

Dass ein Genie wie er nicht auch noch ein mustergültiger Ehegatte und Vater war, das hat eine innere Logik. Ein Roger Federer steht ja wohl auch nicht ständig in der Küche und kocht.

Livia Anne Richard will sich nicht dem Mythos, nicht dem Genie, nicht dem Wissenschaftler, sondern dem Menschen Einstein widmen. Kritisch und doch mit allem Respekt vor einem Homo Sapiens, der diese Bezeichung in vielen Teilen verdient.